InkSpiration Arts Tattoo

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Alle wissen: Um ein Tattoo auf der Haut zu tragen muss man zum Tätowierer gehen. Der Arbeitet mit einer solchen Tätowiermaschine, die mit einer oder mehreren kleinen eingefärbten Nadeln in die Haut einsticht und es kann unter Umständen ganz schön wehtun. Aber wie funktioniert so eine Tätowiermaschine eigentlich? Was findet da genau statt? In diesem Blog wird jeder einzelne Schritt so einfach wie möglich erklärt, so dass jeder Anfänger oder einfach nur Tattoointeressierte es versteht und weiß, was da vor sich geht.

 

Es gibt vielerlei verschiedene Arten von Tätowiermaschinen. Eine universelle Tätowiermaschine für alle Tattoo Stile gibt es nicht und wird es auch niemals geben. Das hängt mit der benötigten Anzahl der einzusetzenden Nadeln, der benötigten Nadelstärke oder etwa des richtigen Nadeltypen zusammen, da man nicht mit der selben Nadel z.B. zeichnen, einfärben und schattieren kann. Zeichnen, Einfärben und Schattieren – das sind die drei wichtigsten Grundtechniken beim Tätowieren. Dies ist jedoch mit einer Menge Hintergrundwissen verbunden und ein Tattoofan kann damit wenig bis gar nichts anfangen. Hier soll ja schließlich nicht ausgebildet, sondern kurz, einfach und einleuchtend erläutert werden.

 

Gut, die Tätowiermaschine ist jetzt in Betrieb und man hört das vertraute Brummen, bei dem einem entweder Euphorie oder Angst heimsucht. Die Nadel, bzw. die Nadeln bewegen sich rasend schnell auf und ab. Das nennt man Stoßbewegung, sozusagen wie beim „alten Rein-Raus Spiel“ (Danke Mr. Kubrick!). Die Geschwindigkeit dieser Stoßbewegung beträgt 50 Mal pro Sekunde. Das ist natürlich so dermaßen schnell, dass das bloße Auge es gar nicht wahr nimmt. Die Nadel wird in die entsprechende Tattoo Farbe getunkt und jetzt geht es los. Die Nadeln stechen in die zweite Hautschicht, also in die Basalzellschicht, die für die Hautfarbe verantwortlich ist (Wer sonnengebräunt zur Arbeit kommt und alle damit neidisch macht, darf sich bei seiner Basalzellschicht bedanken) ein. Wie gesagt befinden sich dort die Farbpigmente der Haut und somit saugt sich diese Hautschicht mit der Tattoo Farbe voll, als wäre es die eigentliche Hautfarbe. In dem Sinne spielt man seinem Körper damit einen kunstvollen Streich, der ja bekanntlich mehr als nur gut aussieht. Würde die Nadel noch eine Etage tiefer, also in die sehr widerstandsfähige Lederhaut einstechen, so würde es nicht nur verdammt schmerzhaft werden, sondern das Tattoo Motiv würde mit der Zeit sehr stark verwischen und das Tattoo käme irgendwann einem Haufen Farbenmatsch gleich. Und wer will das schon?

 

Eine Tätowiermaschine wie sie heute Gang und Gäbe ist, existierte nicht immer in dieser Form.

Anfangs waren es einfach nur Nadeln und man hat in mühevoller und schmerzhafter Handarbeit Punkt für Punkt nebeneinander gesetzt. Das hat natürlich Ewigkeiten gedauert. Im Zeitalter der Technik wurde dieser Vorgang dann automatisiert. Jedoch war das immernoch sehr schmerzhaft, da die Nadeln nur ganz knapp die Lederhaut verfehlten und es gab auch viele technische Schwierigkeiten. Man musste beispielsweise ständig mit einem Schraubendreher die Nadelbefestigungen nachziehen und immer darauf achten, dass die Nadel auch richtig festgezogen ist und sich nicht einfach während der Tattoo Sitzung selbstständig macht. Einige Male kam das vor und man kann sich vorstellen, dass der zu tätowierende sich sehr darüber gefreut haben muss.

Der berühmte Großmeister der Tätowierkunst und der bislang älteste Tätowierer Deutschlands - der im Mai 2010 verstorbene Herbert Hoffmann - revolutionierte die Technik, ein Tattoo auf die Haut zu stechen im Jahre 1970 durch eine Wechselstrommaschine und bleibt damit bislang unübertroffen. Der Vorteil einer solchen Tätowiermaschine ist, dass sie so gut wie keine Verschleissteile hat und somit auch für mehrere Stunden kontinuierlich, komplett störungsfrei einsetzbar und vorallem total sicher für den Tattoo Fan ist. Da sich das Tätowierangebot Hoffmanns einer regelrecht ominösen Nachfrage erfreute, war er auf einen Unterbrechungsfreien Arbeitsablauf angewiesen, so entwickelte er zunächst solch eine Wechselstrommaschine für sich, um das dauernde Nachschrauben und Auswechseln der Einzelteile zu vermeiden, die ja nicht nur ungemein an Tätowierzeit stahlen, sondern auch die ganzen oben genannten Schwierigkeiten nach sich zogen.

Durch dieses nette, kleine Maschinchen waren Probleme dieser Art wie weggeblasen und ein gewisser Danilo Pini sah das Potential der Maschine und erneuerte sie fachmännisch in der Fabrik seines Vaters, um sie auch anderen Tätowierern weltweit zugänglich zu machen. Ja, es musste noch einiges gemacht werden an diesem Maschinchen. Beispielsweise bekam sie nur Strom durch einen umständlichen Klippverschluss, nicht etwa mit einem handelsüblichen Schutzkontaktstecker und so weiter. Die Tätowiermaschine Herbert Hoffmanns trug einen wesentlichen Beitrag zum Weltweiten Kult des Tattoo's bei.

Es gibt heutzutage einige Tätowierer, die sich immernoch selbst Tätowiermaschinen zusammenbauen. Diese funktionieren jedoch alle nach dem Grundprinzip der Maschine Hoffmanns.

 

Nun sind die meisten um ein gehöriges Stückchen klüger geworden. Wer weiß, was man mit diesem neugewonnenen Wissen anfangen kann. Sicher ist zumindest, dass Euer Tätowierer unter Umständen nicht schlecht gucken wird, wenn er Euch alles in Ruhe erklären will und Ihr das Meiste schon wisst. Man darf gespannt sein.