Tattoogeschichte

Tätowierungen als Solches hat es eigentlich schon immer gegeben. Man konnte Tätowierungen schon bei 7000 Jahre alten chilenischen Mumien an Händen und Füßen finden. Selbst in der Steinzeit stachen sich die Männer zur Kriegsbemalung und die Frauen zum Zweck des Körperschmucks Farbe unter die Haut. Sogar der allseits bekannte Ötzi hatte über 50 Tätowierungen und einige kleine kunstvolle Einschnitte in seiner Haut.

Die Polynesier – ein wilder Stamm - begannen zuerst damit, Tattoo-Techniken und Tattoo-Stile zu entwickeln. Sie färbten sich auch gegenseitig die Haare, um sich von der allgemeinen Masse zu unterscheiden. Sicher sind diese Menschen nicht einfach zum nächsten Tättowierer gelaufen und Conventions gab es damals erst recht nicht. Aber die Geschichte des Tattoos, wie wir alle es heute kennen, hat einen Anfang und der ist in genau dieser Vergangenheit zu finden. Aber darauf einzugehen würde nun wirklich den Rahmen sprengen, von daher machen wir jetzt eine Zeitbeschleunigung und fliegen zurück in die Gegenwart:

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trugen nur Seeleute, Soldaten, angehörige der Unterwelt und Häftlinge bestimmte Tätowierungen. Es kam nur ganz selten vor, dass eine Zivilperson eine Tätowierung an seinem Körper trug. Doch mit der Zeit wurde diese Art der Körperkunst auch in Deutschland immer gefragter und in den 60gern entstanden die ersten privaten Tattoo Studios. Einer der größten deutschen Pioniere dieser Kunstart ist Altmeister Herbert Hoffmann, der Mitte der 60ger im Hamburger Stadtteil St. Pauli offiziell mit dem Tätowieren begann, nachdem er 1960 in Düsseldorf vergebens versuchte, ein Tätowierstudio zu eröffnen. Die Begründung war damals: „Das ist kein Beruf!“

Denkste! Herbert Hoffmann revolutionierte den Tattoomarkt ungemein bis in die 80ger Jahre hinein. 1985 setzte er sich zum Ruhestand in die Schweiz ab, tätowierte aber noch bis 2005 aktiv auf verschiedenen Conventions. Er verstarb 2010 und wurde somit zur unsterblichen Legende. Mich würde es nicht wundern, wenn da oben jetzt der ein oder andere Engel bunter ist, als vorher.

Wie gesagt, wurden Tattoos im 20. Jahrhundert rund um den Globus immer beliebter. In den 80gern waren es vorallem Rockbands, die Tattoos zu ihrem Markenzeichen machten. In den 90ger Jahren jedoch gab es einen regelrechten Boom an Tattoointeressierten. Tattoostudios sprossen jetzt, im Gegensatz zu vorher, wie Pilze aus dem Boden. Am beliebtesten waren zu dieser Zeit Tribal Motive, also Verschnörkelungen, die z.B. auf dem Steissbein („Arschgeweih“) oder an Ober- bzw. Unterarmen gestochen wurden.

 

Heute sind Tattoos längst von der allgemeinheit akzeptiert und zählen zu den beliebtesten Veränderungen am Körper. Im Schnitt ist jeder 20. Deutsche tätowiert. Die Motive erzählen immer ihre eigene und einmalige Geschichte über den Träger. Sie werden bei Tattoo Freunden immer gewagter und größer, teilweise gibt es schon Menschen, die von Kopf bis Fuß tätowiert sind. Die beliebtesten Körperstellen bei Tattoofreunden sind Oberarme, Waden und das Steißbein. Doch sind Tattoos für viele nicht einfach nur ein Bild auf ihrem Körper. Tattoo Fans verbinden mit ihrer Tätowierung oft Lebenserfahrungen, ihre Liebe zu einer Person oder Musikgruppe oder ihre eigene Auffassung von Glauben, Liebe, Leben und Freiheit. Denn ein Tattoo auf seinem Körper zu tragen symbolisiert ein kleines Stück selbst geschaffener Freiheit in einer Welt, die dem Konformitismus immer mehr zum Opfer fällt. Ein Tattoo ist die ganz persönliche Note, die man sich geschaffen hat, um sich zumindest ein kleines bisschen von der Alltagswelt hervorzuheben.